Am Morgen denke ich erst, ich sei im falschen Film, als ich diesmal auf der C-Variante an den Wetterstein-Fuß zu gehen gedenke:
Ha, BLAUER Himmel. Die Sonne lacht. Und es hat bereits 6° sagt die Pensionswirtin.
Na, hoffentlich kommt jetzt nicht gleich wieder eine Hitzewelle ;-)
Apropos Welle: Ein Blechwelle quält sich den Fernpaß im Stop-and-Go hinauf:
Nur an dieser Stelle tangiert mein Weg kurz die Straße und ich frage mich - bei verbliebenen 4,5 Geh-Kilometern bis zur Paßhöhe - ob wohl jeder Autofahrer, der jetzt gerade hier steht, wirklich vor mir oben sein wird...
Erstmal heißt es für mich aber durchtunneln:
Für Radfahrer sind zwei Meter Deckenhöhe ja schon recht knapp: "Separates the men from the boys" ? - Hier vielleicht mal anders rum ;-)
Im Unterschied zum früheren Keller der Großeltern muß ich mich nicht ducken, sondern kann erhobenen Hauptes gen Westen marschieren.
Apropos marschieren: Nun gehe ich doch glatt einen Etappenteil vom Nordalpenweg (WWW01).
Wobei dieser Weg schon ältere Traditionen aufweist:
Nun, auch das Schloß, wo man mitten durch muß, ist eigentlich neumodischer Schnickschnack, denn ich befinde mich quasi auf dem Brenner der Antike: Die römische "Autobahn" Via Claudia Augusta führt nämlich über den Fernpaß und gilt für Fern-Radler als die einfachste/leichteste Alpenüberqerung.
Da muß ich an den Engstellen schon ganz schön aufpassen:
Ich habe aber Glück (oder die Fern-Radler sind NOCH später aufgebrochen), so daß mir erst im späteren Tagesverlauf Horden von Radlern begegnen.
Interessant ist auch, daß nach mehr als 2.000 Jahren der römische Autobahn-Räum- und Streu-Dienst augenscheinlich immernoch blendend funktioniert.
Nach zwei Stunden habe ich bereits die Paßhöhe erreicht und irgendwie die Untertunnelung hier verpaßt.
Aber ein Wanderer mit rotem Rucksack, Kniewärmern und einem gestrengen, leicht mafiös bis irren Blick hält auch eine Blechlawine umgehend an.
Wahrscheinlich sorgt das für Ziehharmonika-Effekte bis kurz nach Nassereith hinab. Mutmaßlich ist am Morgen hier schon ein "Illegaler" ÜBER die Straße :-)
Auf der anderen Seite der Paßstraße biege ich gleich wieder auf den Radweg ein, der später wieder der Römerstraße folgt, auch wenn ich dadurch vom Paß noch weiter aufsteigen muß.
Paßquerung mal quer bis anders ? - Kennern fällt sofort wieder ein: Verona - München, Tag 08
Auch die Stromtrassenbauer waren hier einfallslos und haben mangels Bundesautobahn hier die Römer als Trassenvorbild genommen.
Und sie verheimlichen ihre Faulheit noch nichtmal, sondern werben damit ganz plakativ:
Frechheit siegt ! - Ich habe es mir schon immer gedacht.
Das Baden am Weißensee traue ich mir dann (natürlich NUR ob des Verbots ;-) denn doch nicht.
Hier in der Gegend entspringt übrigens auch die Loisach ! - So viel zur Loisachrunde...
Fast am besten hat mir vom heutigen Radweg übrigens dieser Abschnitt gefallen (und bestens markiert ist er auch noch !):
Da werden auch die Pedalritter mal ein wenig gefordert ;-)
Kurz danach komme ich oberhalb der Talstation der ersten Sektion der Marienbergbahn in Biberwier vorbei: Hier wäre ich gestern vom Marienbergjöchl heruntergekommen, wenn ich nicht im Schnee versumpft wäre.
Hätte, hätte, Fahrradkette: Das traumhafte Wetter heute und die Umgehung auf der Via Claudia Augusta sind auch traumhaft schön.
Nun kann ich entweder durch's Tal weitergehen oder ich gönne mir noch ein paar Aufstiegsmeter und nehme den Panoramaweg hinüber nach Ehrwald in der Tiroler Zugspitzarena.
Etwas unausgelastet, wie ich gerade bin, entscheide ich mich für letzteres, insbesondere da ich das zweite Teilstück schon ein paar Mal gegangen bin, was aber viele Jahre (gar mehr als ein Jahrzehnt) her ist: Ein klassische Einsteigerroute für Freunde zum Testen war ja immer Talstation Ehrwalder Almbahn - Immensteig (da geht es ein wenig an Drahtseil und Fels entlang) - Taja-Törl (Schnee im Frühsommer) - Coburger Hütte (naja, wenn sich's nicht vermeiden läßt) - Biberwierer Scharte (nun kommt Steinschlag-gefährdeter Abschnitt und dann unendliche Serpentinen durch Schotter, was aber dieses Jahr wegen Murenabgang sowieso gesperrt ist) und dann letztlich eben über den Panoramaweg zurück nach Ehrwald (giftiger Schluß: zum Almbahn-Parkplatz geht es nochmal bergauf).
Das allerletzte Schlußstück durch die Lärchenwälder habe ich noch in Erinnerung (den langen Forststraßenteil davor wohl verdrängt, wo das Panorama mit den Bäumen auch immer schwieriger wird):
Ein älterer Radfahrer, der kurz nach dieser Stelle vorbeikommt und am Finden des "Ausgangs" gen Tennisanlage zweifelt (er ist da wohl schon öfter umhergeirrt), kann ich beruhigen: Ich bin mir SICHER, daß es hier rausgeht, ich bin mir SICHER, auf dem besten Weg dorthin zu sein und ich behalte MAL Recht: Wenige Minuten später ruft und winkt er vom Gatterl.
Nun, an DEM Gatterl (Grenzübergang von der Ehrwalder Alm gen Knorrhütte) komme ich jetzt dieses Jahr leider nicht vorbei, denn nicht nur die Mieminger Kette (mit der Coburger Hütte), sondern auch den Hauptblock des Wettersteinmassivs der Zugspitze (Knorrhütte, Reintalangerhütte) werde ich umgehen müssen.
Mitten in Ehrwald habe ich am Vormittag eine Unterkunft gebucht und vom Balkon meines Zimmers im dritten Stock habe ich einen tollen Blick direkt auf die Tiroler Seite der Zugspitze mit der zugehörigen Seilbahn:
Der Umgehungsplan für morgen steht auch schon (noch bevor ich in die Sauna gehe)...
Begegnungen:
- 3 Eselchen (braun, grau, schwarz)
- Dutzende Fern-Radler
- 1 Eichelhäher
- 1 schwarzes Eichhörnchen
- älterer, umherirrender Radfahrer

















Die einfachste Alpenüberquerung mit dem Fahrrad ist wahrscheinlich der Aachenpass + Brenner. Fernpass von Österreichischer Seite ist an manchen Stücken so steil, dass man mit schwerem Gepäck selbst mit einem Trekkingrad schon an die Grenzen kommt, eventuell hast du den Teil ja ausgelassen. In Richtung Süd fahren allerdings welche mit dem Rennrad mit breiteren Reifen drüber (siehe Brevet Rando Imperator). Geteert war die Buchener Höhe dieses Jahr sehr angenehm, da kaum Verkehr und mit 1247 m auch nur unwesentlich höher. Rückweg nach München war über Tremola (selbst neuverlegtes Kopfsteinpflaster holpter unangenehm), Klausenpass und Rickenpass.
AntwortenLöschenNun, von Innsbruck hoch zum Brenner scheinen es ca. 800 Hm zu sein und ich kenne München-Venedig-RadlerInnen, denen Brenner zu viel war.
LöschenNachdem ich kein Radler bin, bezog sich meine Wertung auf Internet-Quellen...
Vielleicht bist du ja ein Fan von Zahlen. ;-) Mit dem Fernpass (1216 + ... m) bzw. Achenpass (941 m) landet man im Inntal, von da muss man ja weiter. Laut dem verlinkten Internetartikel geht die Via Claudia Augusta über den Reschenpass 1507 m, alternative Brenner 1370 m. Durschnittssteigung Reschenpass 3,2%, maximal 9%. Brenner 2,8% bzw. 10%. Natürlich ist der Brenner länger, aber zum Beginn des Reschenpasses muss man ja auch erst hin kommen. Mir hat die Via Claudia Augusta vom Inntal in Richtung Nord einmal gereicht, war übrigens beim Rückweg von Phase I. Über das Nevegal bin ich auch mal auf der Via Claudia Augusta von Süd nach Nord Richtung Mühle, wo man auch bei MV vorbeiwandert. Das war so steil, dass auf dem Rennrad zwei Kurbelumdrehungen möglich waren, dann wieder schieben, mit rutschenden Pedalplatten auf der Straße. Brauchte nach dem Fernradweg München-Venedig mit dem Abstacher übers Nevegal nach 4 Tagen neue Pedalplatten und das fast neue Hinterrad hatte lose Speichen, weil der Weg nicht wirklich rennradgeeignet war (ständig die hintere Bremse bei Kreuth mit Blättern verstopft, war die 3. Oktoberwoche und die alte Bahnstrecke bei Cortina hatte bis zu faustgroße Schottersteine). Kerstin und Neo hatten mit ihren Bromtons keine Probleme.
Löschenmüsste von "Nord nach Süd Richtung Mühle" heißen. Es gibt auf der Fernradweg M-V Webseite eine Karte mit einer Zusatzrunde nach Belluno um den See, da ging mir die Zeit aus und ich wollte zu dem Biwak, das ich bei der M-V Wanderung link liegen gelassen hatte. "Al Bivacco" stand auf den Wegweisern, ohne zu Wissen, wie weit das von der Straße weg ist.
Löschenah, ein A zuviel
AntwortenLöschenWenn du mich meinst, der der Brenner zu viel war, dann lag's weniger an den Höhenmetern, sondern an der Tatsache, dass ich bei über 30° nicht auf der Brennerbundesstrasse radeln wollte. Bin immerhin bis St. Jodock geradelt, das waren auch gut 600 Hm :)
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