Nun steht der eigentliche Start an. Die ersten sieben Etappen ab Verona war ich ja bereits 2022 auf meinem L2-Weg von Verona nach Salzburg gegangen und hatte genau hier in Compet im Albergo Aurora auch damals übernachtet.
Heute werden sich die Routen von Hans Losse und Ludwig Graßler also im Tagesverlauf trennen.
Ich bin mal gespannt, denn ich habe mir zum Anfang gleich mal die alpine Variante des E5 ausgesucht, die mich vom Terrain und insbesondere von den Höhenmetern schon fordern wird. Insbesondere weil dies in diesem Jahr nun mein erster richtig alpiner Wandertag ist (Ende Mai/Anfang Juni beim Event in war diesmal das Wetter zu schlecht und Mitte Juni auf der Rotgüldenseehütte beim Weltraumaeffchen waren weder Höhe noch längere Touren möglich).
Konfrontation, sonst nix ;-)
Der Tag beginnt traumhaft, aber es ist schon ordentlich über 20°, was im Tagesverlauf Wärmegewitter nach sich ziehen könnte...
So bin ich bereits am frühen Morgen froh um jedes Stückchen Schatten, insbesondere weil ich ja weiß, daß ich bald oberhalb der Baumgrenze unterwegs sein werde.
Nach knapp 1,5 Stunden unterwegs erreiche ich das Rif. Alpe Masi, wo ich eigentlich (wegen des angenehmeren Etappen-Schnitts) gerne übernachtet hätte. Die Schilder vor Ort weisen auf weiterhin existierende Bewirtschaftung und nur Ruhetag hin, im Internet hatte ich allerdings keine verläßlichen Daten und Kontakt gefunden.
Gerne nehme ich dazu aber sachdienliche Hinweise für ggf. künftige Wanderer entgegen ;-)
Der Anstieg danach führt durch eine große Herde an Schafen (Rest der Divison durch drei leider mangels Rechenkapazität und drohender Überhitzung nicht bestimmbar) und Ziegen und letztlich komme ich am Übergang raus, wo vor zwei Jahren ein Musik-Fest die Massen (L2: Verona-Salzburg, Tag 08) anzog und Wanderer eher verschreckte.
Heute habe ich die Ebene ganz für mich alleine:
Und genau hier, verabschiede ich mich nun vom Sentiero della Pace (dem Friedensweg, dem hier der L2 folgt) und gehe in Richtung des Gipfels durch den Wald weiter bergauf, statt an den Bergen entlang zun gehen.
Dankenswerterweise geht aber nun hier oben ein leichter Wind, der für Erfrischung sorgt.
Bald bin ich oben - also zumindest der erste Anstieg für heute ist geschafft ;-)
Für den Rest des Tages ist heute ein stetiges Auf und Ab vorgesehen und alle Pässe werden von oben erreicht und nach oben verlassen.
Im Anstieg zum Monte Fravort kommt mir ein italienisches Pärchen entgegen. Nachdem sie realisieren, daß ich kein Italienisch verstehe, wechselt der Mann direkt ins Englische.
Seine Aussage ist kurz, prägnant und mehr hat er auch nicht zu sagen: "Fucking steep".
Ok, na da kann mich ja was auf der anderen Seite des Berges (hinab) erwarten...
Erstmal lege ich gegen 12:00 Uhr an der Biwakschachtel kurz unter dem Gipfelkreuz eine Pause ein.
Da ich (noch) nicht so richtig Hunger habe (und faul bin), packe ich allerdings nicht Vollkornbrot und Landjäger aus, sondern esse nur einen kleinen Haferriegel (was sich mutmaßlich noch als Fehler herausstellen sollte).
Das Biwak ist recht modern und großzügig eingerichtet.
Hinweis für alle Frank_Zs dieser Welt an dieser Stelle:
Es gibt allerdings kein Wasser und keinen Ofen.
Am besten finde ich allerdings die Toilette:
Ich erwäge sie einzupacken und samt den Schutzwällen aus dem ersten Weltkrieg zu Hause zu etablieren: Da prallen alle verbalen Anwürfe, man/Mann würde zu lange brauchen - von wegen "stilles Örtchen", von besseren Hälften oder Pubertieren Südost-seitig einfach ab :-)
Kurz hinter dem Klo und weiteren Überbleibseln des Gebirgskriegs 1915-1917 ist der Gipefel letztlich erreicht:
Der Abstieg war dann gar nicht so schlimm, wie nach der Aussage des Italieners zu vermuten (aber wahrscheinlich kommt das erst noch - später).
Und der nächste Gipfel ist auch schon in Sicht:
Zwischenzeitlich ziehen auch mehr und mehr dunkle Wolken mit rein und weiter im Westen im Valsugana-Tal scheint es, den in der Ferne sichtbaren Schleiern zu Folge, bereits zu regnen.
Ich gehe weiter: Hilft ja erstmal nichts...
Zeitweise ist in der Ferne auch mal Gewittergrollen zu vernehmen, aber mittlerweile habe ich noch ein paar Bergrücken zwischen mich und das Haupttal bekommen.
Letztlich werde ich heute trocken und vor allen Dingen von (Wärme-)Gewittern verschont bleiben.
So langsam merke ich die Erschöpfung und insbesondere wohl den fehlenden Kraftstoff (Hungerast ?).
Die an einem Schild gegen 15 Uhr ausgezeichneten drei Stunden bis zur CAI-Hütte am Tagesziel, kann ich ob der Rest-Strecke von ca. fünf Kilometern und weniger als 200 verbliebenen Aufstiegsmetern kaum glauben.
Aber schwierigeres Terrain, mehr Pausen und der per schrittweiser Traubenzucker-Zuführung unterfütterte Not-Lauf-Modus (mein Auto fährt dann ja auch nur noch 80 km/h) werden am Ende ziemlich genau diese drei Stunden noch in Anspruch nehmen.
Insbesondere die letzten beiden Kilometer haben es in sich.
Zuerst immer unwegsamer werdendes Blockwerk (am Anfang sah es noch aus wie am Landshuter Europaweg), wo zwar die Markierungen perfekt sind, allerdings kein wirklicher Weg vorhanden ist.
Da heißt es sich Schritt für Schritt, teilweise leicht kletternd, voran zu tasten. Dabei darf man nie die nächsten Markierungen außer acht lassen (DIE nächste könnte auch abgestürzt sein).
Letztlich schlimmer als zwischen Gaisscharte und Edelrauthütte, um mal bei Südtiroler Vergleichen zu bleiben.
Schließlich geht es - quasi mit letzter Kraft (sonst hätte ich doch noch Brotzeit ausgepackt ;-) - auch nochmal ordentlich nach oben, um die Felsnase zu überschreiten, da umgehen bzw. direkter Abstieg ob der Fels-Trümmer-Wüste unterhalb wohl keine Option war.
Auch auf der anderen Seite zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings führt da ein Pfad durch den Abstieg zur Hütte:
Im Rifugio Sette Selle bin ich wohl der einzige Übernachtungsgast im Haus (einige Zelten in der Nähe der Hütte - das ist ja beispielsweise auch in Frankreich, z.B. am TMB üblich, in Deutschland und Österreich eher nicht).
Der Wirt ist ein junger Mann und augenscheinlich ambitionierter Bergläufer. Das Terrain hier um die Hütte ist aber wohl wirklich nicht zum schnellen Vorankommen gebaut: Für eine 4-Kilometer-Runde braucht er LAUFEND 45 Minuten. Das ist die Zeit, die ich im Flachen GEHE...
Und als wäre der Tag nicht anstrengend genaug gewqesen, realisiere ich am Ende, was hier wo WIRKLICH "fucking steep" ist: Hier im Foto die gesamte Treppe in der ersten Stock (wo mein Zimmer liegt)...
Holla, die Waldfee: Eigentlich sollte man da einen Klettersteig einrichten und Sicherungsmaterial ausgeben. Wie untergroße Menschen überhaupt die Stufen bewältigen sollen - vom Absturzrisiko mal ganz abgesehen - erschließt sich mir nicht auf den ersten Blick.
Gipfel/Übergänge (> 2.000m):
- Monte Fravort, 2.347m
- Forcella del Fravort, 2.161m
- Monte Gonlait, 2.383m
- Passo della Portela, 2.152m
- Passo del Lago Seajoch, 2.218m
- Forcella Cavé, 2.184m
- Forcella delle Conelle, 2.198m
Begegnungen:
- 1 Eidechse
- 1 Eidechse
- 1 Falke
- italienisches Pärchen (er: "fucking steep")
- 1 kleines Murmeltier (in roof-top Lage)
- 1 kleine braune Schlange
- 2 Italiener ("no problem", war das einzige, was sie antworteten, als ich ihnen auf Italienisch erläutert hatte, kein Italienisch zu können)
- 1 Schneehuhn, das mich fast zu Tode erschreckt hätte



















Was bei den "Begegnungen" fehlt:
AntwortenLöschenfucking sheep!
*lol* :-)
LöschenBTW: ich bevorzuge wenn dann schon eher "eating sheep" :-)
LöschenHab endlich Zeit hier reinzulesen. Du machst ja an einem Tag mehr Gipfel und Pässe als ich in einer Woche.
AntwortenLöschenGuten Weg
Volker
Hey Volker.
LöschenDas war nur der Auftakttag: Die nächsten Tage geht es nicht mehr über Gipfel, nur über den einen oder anderen Paß zwischen 1.000 und 2.000 Metern.
Erst in der Texelgruppe jenseits von Bozen werde ich wieder hoch hinaus kommen.
LG K2.
Erst Zitate klauen und dann noch Morddrohungen....
AntwortenLöschenWie meinen ?
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