Dienstag, 3. September 2024

Tag 09: Alles muß hinab - nicht nur der Schweiß

Rif. Sette Selle - Sover/Cembra
(23,3 km - 450 Hm auf - 1.870 Hm ab)

Beim Start am Morgen an der Hütte, zeigen sich Wetter und Berge mal wieder von ihrer besten (= schönsten) Seite:

Das frisch gefaßte Quellwasser der Hütte ist zwar amtlich als nicht-trinkbar klassifziert: Diesjährige Probenentnahme erfolgte nach Wolkenbruch mit Einschwemmungen in der Quellfassung, aber nachdem auch der Wirt das immer trinkt, nehme ich auch davon.

Wird heute den ganzen Tag über sehr gut munden - ganz im Gegensatz zum letzten halben Liter Leitungswasser am Vortag.

Heute steht überwiegend Abstieg an, da ich die alpine Variante des E5 hier (erstmal) nicht weiterverfolge, sondern erst nach Palai/Palù absteige, um wieder auf die Standard-Route zu kommen und dann erstmal noch ein wenig aufsteige, um nicht so viel Straße gehen zu müssen.

Es ist recht einsam, nur ein Forst-LKW und ein zugehöriges (amtliches) Begleitfahrzeug passieren mich hier oben.

Und irgendwann denke ich mir, MOMENT, so viel Aufstieg kann doch gar nicht sein...

Ein Blick auf's GPS und ich merke, daß ich irgendwie über das lokale Maximum hinweg gegangen sein muß.

Komisch, die Fortstraße ging doch immer gleichmäßig bergauf und Abzweigungen nach links waren da auch keine.

Also zurück und von unten nach oben blickend, ist der abzweigende Weg ja wohl auch nicht zu übersehen:

Ich habe dann auf dem Baumstumpf rechts des Pfads mal angefangen einen Steinmann zu bauen...

So versteckt wie der Pfad ist, er scheint aber schon begangen - naja, den Hinterlassenschaften nach zu urteilen, sogar eher beritten - zu sein: Hier gibt es ja weiterhin diese alpinen Wanderreitweg-Markierungen (war mir 2022 bereits in der Gegend aufgefallen), die immer die nächste Pferde-Unterkunft (Reiter nehmen die dann evtl. auch - falls der Gaul bürgt) in beide Richtungen angeschrieben ist. Die Reit-Etappen scheinen (nach Adam Riese) typischerweise 30-40 Kilometer zu umfassen.

Ich komme in der Folge von oben auf die Paßstraße (Passo del Redebus, 1.455m) für den motorisierten Verkehr.

Nun geht es ein Stück an der Haupt-Straße entlang, bis an das nächste Örtchen Pitoi.

Dann folge ich wieder kleineren Sträßchen und hangle mich von (kleinem) Ort zu (kleinerem) Ort.

Bis es dann nach Centrale wieder auf netten Wegen weiter einsam durch den Wald geht.

Die Herbstzeitlosen erinnern mich einerseits an den Tag nach meinem Geburtstag letztes Jahr (Wien-Nizza, Tag 63 und Ludwigs vierter Todestag) und andererseits daran, daß es ja schon relativ spät im Jahr ist. - Wenn ich sonst etwas spazieren war, dann ja immer deutlich früher gestartet und spätestens Mitte September bereits am Ziel.

Mal sehen, wie die späte Tour dieses Jahr so klappt...

Auf dem nun noch anstehenden langen Marsch ins Tal, kann ich unterhalb der Straße auch Erdpyramiden sehen, die ja nur durch den jeweiligen Stein obenauf am Leben erhalten werden, weil die direkte Erosion verhindert wird:

Obwohl ich heute sehr viel im Wald mit Schatten unterwegs bin, ist der Temperaturanstieg im Tagesverlauf (von 16° auf ca. 31°) enorm, obwohl wir ja bereits September haben.

Gut, daß es in Italien viele Dorfbrunnen gibt (oft sogar mit Trinkwasser ausgeschrieben), so daß ich eigentlich permanent am Nachnässen meiner Kopfbedeckung bin.

Durch Weinberge bzw. eigentlich auf den steilen Betonpisten, die dazugehören, führt mich meine Route zum Quartier nun zum Talfuß, bevor ich auf der anderen Seite zum Schlußspurt nochmal ein Stück aufsteigen muß.

Hier kann ich das Agritur in der Ferne schon erahnen:

Den letzten Kilometer schweißtreibend in der Sonne die Haupt-Straße bergauf auch gut überstanden und dann ist die nette Unterkunft erreicht:


Begegnungen:

. Dutzende von Eidechsen

- 1 riesige knallgrüne Eidechse (ca. 25-30 cm lang) - erinnert mich an die Etappe kurz vor Nizza, wo ähliche Monster antraf (Wien - Nizza, Tag 77) - ich bin nur immer zu langsam, sie mal zu fotografieren... :-(

- 1 große Libelle


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