Der Tag beginnt grau und viel zu spät: Ab 14:00 Uhr ist Regen vorhergesagt, es gilt heute den höchsten Punkt der Tour (Hirzerscharte, 2.679m) zu überschreiten, der Abstieg zur Hirzerhütte ist die technisch anspruchsvollste Stelle und es gibt auf der Meraner AVS-Hütte trotzdem erst ab 08:00 Uhr Frühstück, so daß an Abmarsch vor 09:00 Uhr nicht zu denken ist :-(
Nun ja, immerhin habe ich mich soweit im Griff, daß es um 09:05 Uhr losgeht...
Die Wolken hängen bereits recht tief als ich bei der Hütte gen Norden starte:
Als ich den ersten Übergang, das Missensteiner Joch (2.128m), erreiche, sind die Wolken in der Zwischenzeit aber bereits etwas höher hängend.
So kann ich gut in die nun anstehende Querung schauen:
Mittendrin der herrlich gelegene See (von dem mir der Forchheimer Sohn gestern Abend bereits vorschwärmte), allerdings ist nicht gerade Badewetter, nach Fischen ist mir auch nicht (eh verboten) und ich muß/sollte ja die Uhr im Auge behalten.
Apropos: Der Geselle hat mich auch erstmal im Auge behalten:
Letztlich haben er (und seine Dutzenden Kumpels) mich dann aber doch gut passieren lassen.
Als es so langsam auf den Anstieg zum Hirzer zugeht, ziehen immer wieder Wolken in den Talschluß, aber in der Regel verziehen/lichten sie sich nach einigen Minuten auch wieder. Gespenstisch.
Der Weg ist allerdings nicht zu verfehlen:
Allerdings fehlt mir mittlerweile ein Stück Stock:
Im Flachen mal nicht aufgepaßt, etwas auf Stein gerutscht, zur Balance-Findung/-Bewahrung mit den Armen gerudert und dabei vermutlich mit einem Stock gegen einen Felsklotz geschlagen: Carbon glatt durchgebrochen.
Mmmh, das habe ich bisher mit keinem meiner drei Paar verschlissenen Carbon-Stöcke geschafft. Die litten eher an Qualitätsmängeln bzw. Verschleiß und überlebten sogar mehrfaches draufsetzen (Ausbiegen um ca. 30-40 cm).
Leider war hier gerade kein Outdoor-Fachgeschäft mit Ersatzteilen verfügbar (ah, hilft eh nix: Intersport läßt für Eigenmarke McKinley keine Ersatzteile wie das untere Stockteil (ist ja das dünnste und empfindlichste) produzieren - argh, in welchem Jahr leben wir ? Nachhaltigkeit ?? Haaaallooooo ???
Zurück zum Weg: Rechts vom Weg liegt eine Alm (aber nicht am Weg) und vom Hirzer kommen drei Gestalten (aber nicht auf dem Weg).
So humple ich mit dem abgebrochenen Bein Schritt für Schritt bergauf durch die sich nun offenbarende Schuttlandschaft...
Meist bin ich mittlerweile in den Wolken,. aber just unterhalb des Gipfels, reißt es mal kurz ein wenig auf, so daß ich sogar einen Blick auf das kanpp 100 Höhenmeter oberhalb stehende Kreuz erhaschen kann. Bei diesem Wetter ist der Gipfel aber natürlich keine Option.
Als ich nach einer langen Querung die Scharte an der Hirzerschulter erreiche, hole ich das Handy erstmal aus dem Flugmodus (nein, eigentlich NICHT zum Mail-Abruf, auch wenn das eine der wenigen Gelegenheiten mit Empfang heute ist), um im Unglücksfall ortbar zu sein.
Auch die Stoffhandschuhe ziehe ich nun über, um an den Stahlseilen im Abstieg mehr Gripp zu haben und ein besseres Gefühl beim Klettern an den kalten Felsen.
Die obersten 75 Höhenmeter geht es nun (überwiegend) Stahlseil-versichert nach unten. Allerdings nicht sonderlich ausgesetzt. Hatte ich mir - insbesondere ob der Schilderungen der Forchheimer - eigentlich schlimmer vorgestellt.
2-3 Mal habe ich die Hintern-und-lange-Beine-Technik eingesetzt, an einer Stelle war ein deutliches Lösen vom Stahlseil und freies Abklettern über Fels mit guten Tritten und Haltepunkten die beste Lösung und eine Felsplatte mußte einfach abgeklettert werden.
Nachdem diese Hindernisse im Abstieg überwunden waren, mal lieber schnell die bereits vom Schwitzen durchfeuchteten Handschuhe abgelegt und dann geht es auch schon weiter...
Ich gebe Gas, um möglichst nicht naß zu werden und bin froh, die anspruchsvolleren Stellen hinter mir zu haben.
Plötzlich kommt mir ein Stoffelpärchen mit Tagesrucksäcken ENTGEGEN. Na, wo wollen die denn JETZT hin ?
Bei dem Wetter noch auf den Gipfel ??
Nun ja, sie trägt eines dieser übergroßen heutigen Handys an Schnur um den Hals mit Display nach vorne: Perfekt, wenn man so stürzt, hat man wenigsten die Wahrscheinlichkeit für Handysschaden größtmöglichst erhöht, um möglichst auch bei Empfang keine Hilfe mehr rufen zu können.
Herr, schmeiß Hirn vom Himmel... ?!
Um 14:10 Uhr beginnt der Starkregen.
Puh, Timing ist manachmal alles ;-)
Der Ehemann, der in Berlin lebenden Linda, mag nicht in die Berge und so zieht sie immer alleine los (diesmal die Sarntaler Hufeisen-Tour. Über Stunden teilen wir Erfahrungen über interessante oder weniger amüsante Wege/Erfahrungen.
Im Lager (mit Dusche und WC direkt anbei !) unter dem Dach der über 150 Jahre alten Hütte erhalten wir später noch Zuwachs von einem völlig durchweichten jungen Mann: Seine Partnerin teilt sich mit der Freundin und dem Hund Zimmer im ersten Stock und er wurde zu uns unter's Dach ausquartiert.
Übergänge:
- Missensteiner Joch (2.128m)
- Hirzerscharte/Obere Scharte (2.679m)
Begegnungen:
- 1 Murmeltier
- 1 Kröte
- 24 Schafe
- 1 riesige Herde Ziegen
- 21 Schafe
- Stoffel-Pärchen im Abstieg von Hirzerscharte
- Linda (aus Berlin) auf Hufeisenrunde auf Hirzerhütte













Im Kratzbergsee hab ich auch schon gebadet, seeehhhr erfrischend, brrr ;) Und die Alm rechts ist die Anteranalm, urig und gemütlich :)
AntwortenLöschenNa, dann warst Du ja auch schon so gut wie auf dem Hirzer !
LöschenDie paar Meter hättest Du damals (bestimmt bei schönem Wetter) auch noch gehen können...
Mir hat der Aufstieg von Aberstückl schon gereicht, da hätt ich die Geröllwüste nicht mehr gepackt...
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