So - oder so ähnlich - wird es heute enden:
Aber fangen wir doch mal ganz von vorne an...
Erneut ist das Wetter deutlich besser als der Wetterbericht: Leichter Nieselregen und sogar schwächer als am Vortag, so daß ich die Kameratasche (samt Inhalt) außen am Rucksack mitführe.
Zuerst steige ich von Obsteig leicht bergauf durch den Wald nach Arzkasten.
Dann kommt der (erste) Scheideweg für heute: Coburger Hütte - wäre ob meiner Herkunft - ja nett gewesen, aber daß die Grünsteinscharte (2.270m) und der dann folgende Steilabstieg keine Option sind, hatte sich bereits vor Tagen abgezeichnet.
Mein erster Alternativplan war dann die Nutzung der Forststraße zur Marienbergalm (1.622m) und von dort über das Marienbergjöchl (gut 1.800m) und Abstieg nach Biberwier.
Ein Anruf beim Wirt erbrachte direkt vor dem Start ca. 40 cm Schneehöhe an der Alm.
Plan C wäre eine komplette Umgehung des Gebirgszugs über den Fernpaß gewesen.
Ich versuche mich an Plan B...
Just als ich von der öffentlichen Straße in den Forstweg abbiege, überholt mich ein Jeep: Ah, der Wirt - er hatte ja am Morgen erwähnt, daß er gerade nicht auf der Hütte sei.
Einige Zeit später, sehe ich das Auto aber verlassen am Straßenrand stehen: Ein Stück weiter liegt nämlich ein kleiner Baum quer.
Im weiteren Verlauf werde ich noch häufiger entsprechend abgebrochene Bäume bzw. große Äste antreffen.
Es ist aber schön für mich gespurt, der Nieselregen ist längst in leichten Schneefall übergegangen - allerdings etwas höher als gestern, es wird/ist wohl wärmer.
Als ich die Alm an der Lifttalstation bereits im Blick habe, sehe ich einen Hund und zwei Menschen kurz vor mir.
Wie sich herausstellt ist das der Wirt mit verletzter Frau und dem Hüttenhund.
Es ist gerade kurz nach 12:00 Uhr und ich habe für den Aufstieg im Schnee die unten angeschriebenen zwei Stunden gebraucht.
Obwohl eigentlich zu ist, bekomme ich erst ein Kaltgetränk und dann noch einen heißen Tee.
Ich tausche das durchgeschwitzte T-Shirt erstmals auf Tour gegen eine Langarm-Variante, suche die Sonnenbrille wegen des Schnees raus, lege Mütze und Handschuhe als auch die Grödeln an: Nun muß ich selbst spuren.
Der (Fahr-)Weg ist zu erahnen und paßt mit dem GPS-Track zusammen, allerdings befinde ich mich nun oberhalb der geschlossenen Bewaldung und unterhalb des Übergangs.
Sehr schnell erkenne ich, daß es hier große Schneeverfrachtungen gibt: Teils ist bis auf fünf Zentimeter alles freigeblasen, teils versinke ich umgehend knietief.
An bestimmten Stellen verschwinde ich bis zur Hüfte !
Ich versuche, das Gelände und die Vegetation zu lesen, um mir einen möglichst freien Weg zu suchen.
Das klappt an sich recht gut, aber die Verbindungsstücke dazwischen und die teils meterhohen Schneeverwehungen sind mörderisch.
Kurz unter dem Übergang (noch bei besten Kräften) ziehe ich die Reißleine aus zeitlichen Aspekten und wegen der unklaren Situation auf der anderen Seite, wo ich ja noch einen langen Abstieg vor mir hätte.
Mut ist eben nicht unbeirrt weiterzugehen, sondern vielleicht auch mal eine Entscheidung zum Rückzug zu treffen.
Was allerdings bemerkenswert zum Thema Ausrüstung ist:
1. Meine Füße waren immer wunderbar warm. (Auch) Für solche Bedingungen sind meine schweren Bergstiefel eben gemacht.
2. Die heute erstmals getragenen Kniewärmer (Geburtstagsgeschenk von der besseren Hälfte) haben super gepaßt und gute Dienste geleistet.
3. Ich habe mal wieder eine Sonnenbrille vertändelt. Diesmal wohl bei einem Stolperer beim Orga-Telefonieren. Als ich es merkte, war's schon zu spät :-(
In meiner Spur komme ich ganz gut bis zur Marienbergalm zurück, obwohl einem schon auffällt, daß selbst bei leichtem Wind und Schneefall nach 30 Minuten etliche Spuren im tiefen Schnee fast nicht mehr zu sehen sind.
Knapp zwei Stunden nach meinem Abmarsch erreiche ich die Marienbergalm wieder. Eigentlich will ich dem Wirt noch Bescheid geben, aber die Tür ist verschlossen.
So stampfe ich die Aufstiegsspur wieder bergab und was umgehend auffällt: Der im Aufstieg noch griffige Schnee ist nun weich und meine Spuren häufig bereits völlig durchgeweicht.
Ein großer Geländewagen mit Schneeketten steht recht weit oben und augenscheinlich hat der Fahrer auf dem Weg alle querliegende Bäume/Äste entfernt. Vielleicht ein Jäger ?
Als ich wieder unten an der Straße ankomme, entledige ich mich an einer Bank der Grödeln und packe - nun wieder im Niselregen - die Kamera weg. Da kommt ein Hund die Straße entlang, geradewegs auf mich zu und macht neben mir Sitz.
Ich denke mir erst nichts dabei, aber als ein einheimisches Pärchen mit einem anderen Hund vorbeikommt, meint der Mann, daß sei der Hüttenhund von der Marienbergalm. Stimmt. Aber mit mir ist er nicht bergab gegangen. Hat er den Fußweg gegenüber genommen und mich im Auge/Ohre behalten ?
Der Einheimische verständigt den Wirt und kümmert sich um den Hund.
Ich mache mich nun auf den Weg nach Nassereith...
Mein Vater hat mir in der Zwischenzeit eine Pension für die Nacht organisiert und mir die Koordinaten geschickt.
So kann nichts schief gehen und später gönne ich mir noch eine Pizza.
Was mir beim Blick nach draußen auffällt:
Aha, Weitwanderwegs-Kreuzung. Mal sehen, ob ich hier irgendwann mal wieder vorbeikomme...
Begegnungen:
- Wirt Marienbergalm
- Hüttenhund Marienbergalm im Tal
- 1 Eichelhäher












Oh, da hast du sicher gut getan unzukehren. Echt heftig, was zur Zeit für ein Wetter ist. Hier um Sarntal, warst du ja erst vor ein paar Tagen, ist es zwar kalt und stürmisch, aber bis auf ein bisschen Schneegestöber passiert hier nichts. Sogar das Penser Joch mit 2211 m ist befahrbar. Bei uns zu Hause schüttet es seit Tagen. Um östlichen Tirol ist es noch schlimmer...
AntwortenLöschenGut so!
AntwortenLöschenJa, das war die richtige Entscheidung. Gratuliere. An diesem Tag habe ich im heimischen Malbun so früh wie noch nie die Tourenski befellt und später eine hübsche Abfahrt genossen. Also: Schnall künftig noch die Tourenausrüstung auf deinen Weitwanderrucksack. :-)
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