Samstag, 21. September 2024

Tag 26: Die letzten Gipfel

Tutzinger Hütte - Bad Heilbrunn
(22,2 km - 750 Hm auf - 1.450 Hm ab)

Ein neuer Morgen. Ein neuer strahlender Tag. - Nachdem ich in der Nacht Sternenhimmel-Blick von meinem wohlausgewählten Lagerschlafplatz hatte.

Über Nacht ist zwar weithin sichtbar der Schnee nochmal DEUTLICH weniger geworden, aber nachdem der Wirt am Vorabend auf Nachfrage noch meinte am Vortag (also vorgestern von heute betrachtet) habe sich jemand die Nordwand aus dem Tiefental durch teils hüfthohen Schnee hoch gekämpft, gehe ich mal lieber auf Nummer sicher und starte mit langen Hosenbeinen, Regenhose und Grödeln.

Von der Hütte weg geht es erstmal ca. 100 Höhenmeter gen Osten bergauf und dann stehe ich am Steilhang und stelle fest, daß der Abstieg mehr oder wenig komplett ausgeapert ist.

Nun, besser so als anders herum ;-)

Vorsichtig steige ich im Schatten den teils ganz ordentlich rutschigen, steilen Steig hinab, an den ich mich noch gut von 2008 erinnern kann: Damals mußten wir hier - von Wackersberg/Bad Tölz kommend - nach der Abzweigung in Arzbach ja letztlich von der Tiefenthalalm final hoch...

Blick zurück: 

An der Alm entledige ich mich dann ENDGÜLTIG der Grödeln (für diesen Sommer) und kann sie am Brunnen gleich noch reinigen, bevor sie zum trocknen außen am Rucksack montiert werden.

Regenhose und Hosenbeine sind auch längst obsolet.

Achtung, Kinder: Wer hat Angst vor'm schwarzen Mann ?

Abwechselnd durch Wald bzw. Alm-Gebiet setzte ich nun schlängelnd meinen Weg gen Norden fort.

Zwischendurch wird es nochmal recht matschig, aber die Richtung paßt...

Leider sind die ganzen nun folgenden Almen verlassen, auch wenn teilweise noch Kühe auf der Weide stehen.

Eine wie die andere nicht bewirtschaftet:

Ich blicke nochmal zurück gen Süden und damit in Richtung Benedikten-Wand:

In die andere Richtung liegt der Schlußanstieg zum (gerade sehr belebten) Gipfel des Zwieselbergs vor mir:

Am Fuß - kurz vor der Abzweigung vom Fahrweg auf den Pfad im Steilhang - steht noch ein letzter Wegweiser: 35 Minuten sind angeschrieben.

Nach 15 Minuten langsam aber gleichmäßigem Aufstieg stehe ich oben.

Ein Landstreicher am Zwiesel, 1.348m:

Nach einer kurzen Pause verabschiede ich mich vom Trubel hier oben und gehe weiter nach Nordwesten. Erst geht es durch den Wald abwärts (am Stallauer Kopf, 1.302m vorbei) und dann droht der nächste Aufstieg: Diesmal allerdings deutlich kürzer und nicht annähernd so steil wie vorhin...

Auch am Stallauer Eck (1.213m) halte ich den Moment nochmal fotographisch fest:

Das war er nun: Der letzte, ja der allerletzte Gipfel dieser Tour über die Alpen.

Jetzt kommt der Abstieg durch den Wald...

Als ich den Ortsrand von Bad Heilbrunn erreiche, komme ich just dort an der Umgehungsstraße raus, wo sich ein großer Rewe-Markt befindet.

Ich deute dies als Zeichen, kippe mir erstmal einen Liter kalten Kakao hinter die Binde und gönne mir einen LKW für zwischendurch: 2,30 Euro ! - Da kann man (ausnahmsweise) nichts über die Oberbayern sagen. In den Randlagen von Stuttgart hatte ich im März fast FÜNF Euro dafür bezahlt !!

Mein Quartier (von der Bodenkontrolle schon vor einigen Tagen in bewährter Manier organisiert) liegt heute etwas außerhalb, also schlängle ich mich an Bad Heilbrunn vorbei und ca. 1,5 Kilometer vor dem Ziel dann SOWAS:

*argh* erinnert mich irgendwie an die Passage Grainau-Garmisch vor einigen Tagen (Verona - München, Tag 23) :-(

An meinem IQ hat sich seither mutmaßlich nicht viel geändert. Auf Grund natürlicher Alterungsprozesse sind vielleicht noch ein paar graue Zellen verstorben und dafür Haare grauer geworden (oder ausgefallen). Auch an Dazulernen ist bei derartig limitierten geistigen Fähigkeiten nicht in Ansätzen zu denken und so stelle ich erneut einen Mangel an Rädern, dafür einen renitenten Vorwärtsdrang fest.

Warum hier irgendwas gesperrt war, erschließt sich mir am anderen Ende irgendwie gar nicht. Prompt animiere ich eine entgegenkommende Spaziergängerin gleich noch in die Gegenrichtung durchzugehen. Es lebe die subtile Subversivität :-)

Dann spaziere ich über einen (letzten) Hügel, wo mir die grünen Bad Heilbrunner Spazierrunden-Wegweiser, die immer ausführliche Wegbeschaffenheits- und Ausrichtungs-Informationen enthalten, zu denken geben: Es droht wohl noch eine steile Nordwand, wo ich (fast) mit dem Schlimmsten rechne. Sowas wie Todeisfelder oder so. Mir läuft es kurz - trotz der prallen Sonne - kalt den Rücken hinunter, aber dann besinne ich mich der Grödeln am Rucksack für den Notfall und schreite weiter voran.

Aber es wird nichts so kalt gegessen, wie es eingefroren wird - lautet ja das bekannte Sprichwort (oder so ähnlich).

Und so erreiche ich auch ohne den Einsatz von T5-Ausrüstung wohlbehalten meine nette Unterkunft im Ortsteil Reindlschmiede:


Begegnungen:

- 1 Steinbock

- 1 großer Greifvogel

- 9 Schafe


1 Kommentar:

  1. Apropos Wegsperrung: https://www.alpenvereinaktiv.com/s/IWPhhx Stage A von Phase II ist nicht zugänglich und es sieht auch nicht aus, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird, die ganzen Bäume am Hang wollen mehr oder weniger umfallen. Und wenn die Bäume mal weg sind, dann hält den Hang nichts mehr. Ich glaube aber, ich weiß um was es sich bei der Stage handelt, die kommt im Verlauf mehrmals vor. Früher allerdings mit blauen, statt grünen Buchstaben.

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