Freitag, 20. September 2024

Tag 25: Zurück am Ort, wo quasi alles begann

Kesselbergpaß - Tutzinger Hütte
(17,2 km - 1.160 Hm - 660 Hm ab)

Punkt-genau am Aufnahme-Punkt werde ich heute am Morgen wieder abgesetzt, damit ich mich auf meinen weiteren Weg machen kann.

Es scheint wohl Fön zu sein, denn in der Sonne im Tal zeigte das Außenthermometer 11° an, im Schatten hier oben am Paß allerdings 14°.

Nun, mir soll es recht sein, wenn möglichst viel Schnee noch weg taut, während ich einen Großteil der letztjährigen Etappe (Wien - Nizza, Tag 26) nun rückwärts gehe, denn am Ende soll es an der Schulter der Benedikten-Wand auf die Nordseite gehen und dort in den Steilabstieg zur Tutzinger Hütte.

Aber zuerst steige ich mal durch den Wald im Schatten gen Jochberg hoch und dann an der Baumgrenze hinüber zur Jocheralm:

Ich gehe nun die meiste Zeit zwar von West nach Ost auf der Südseite entlang, aber zwischendrin gibt es schon schattige Stellen mit Nord-Exposition (auf ca. 1.250m), wo man gleich noch etwas Schnee findet:

In den etwas tieferen Lagen sieht es aber schon wieder ganz anders aus:

Die beiden ältern Damen einer örtlichen AV-Sektion brauchen sich bei ihrer Probe-Begehung - bevor sie die Tage mit der Gruppe zum Jochberg aufsteigen - keine Gedanken machen.

In der Sonne sehe ich dann auch mal wieder andere Zaungäste, die den Winter noch nicht für gekommen halten:

Schritt für Schritt spaziere ich auf das dicke Ende am Horizont zu:

Blick nach Süden ins Karwendel...

1.270m oberhalb der Pessenbacheralm:

Immer gen Osten am Hang entlang führen die Fuß- und Verbindungswege...

In diesen mittleren Höhen hat der Schnee den Laubbäumen (hauptsächlich Buchen und einige Ahorn) aber ordentlich zugesetzt: Jede Menge abgebrochen Äste bis Oberschenkeldicke (und ich habe DICKE Oberschenkel ! :-) und auch etliche abgebrochene bzw. umgefallene Bäume. Hier gleich mal im Dreier-Pack und ungünstigerweise auch nicht quer zum Weg, sondern längs auf ihm: 

Auf der Forststraße sieht es dann schon ein wenig besser aus, insbesondere da hier augenscheinlich ein Räumfahrzeug mal unterwegs war, wenn man sich die Schneewälle links und rechts und die ebenfalls zur Seite geschobene Äste so ansieht:

Kurz danach zweigt mein Fußweg bergwärts ab, als der E4/Maximiliansweg auf den Traumpfad München-Venedig trifft.

Höchste Zeit, die Hosenbeine wieder anzulegen !

Ich steige durch den Wald über den gut bekannten Pfad aufwärts. Die umgestürzten Bäume werden schnell weniger (hier herrscht mehr und mehr Nadelwald vor), dafür mehrt sich der Schnee. - Naja, wirklich Vermehren tut er sich natürlich seit Tagen nicht mehr, allerdings scheint hier deutlich mehr heruntergekommen zu sein bzw. trotz der Südwestlage durch den dichten Baumbestand deutlich weniger weggeschmolzen zu sein.

Kurz vor dem höchsten Punkt des Tages auf knapp 1.600 Metern ziehe ich dann an diesem schönen Aussichtspunkt auch noch die Regenhose über und lege die Grödeln an.

Mir kommen vom Gipfel der Benewand zwar einige Grüppchen im Abstieg entgegen, allerdings ist davon niemand von der Nordseite her - von der Tutzinger Hütte kommend - aufgestiegen.

Bald ist die Abzweigung erreicht und ich biege nach Norden ab.

An offenen Wegstücken kann man nun weit ins Alpenvorland blicken:

Ich konzentriere mich aber schnell wieder auf meinen Weg, der nun immer wieder auch von abgegangenen Lawinen verschüttet ist.

Das Gehen ist ordentlich ausgerüstet aber gar kein Problem, und Dank Regenhose bleiben auch die Füße trocken (am Abend wird ein älterer Schwabe bei mir am Tisch sitzen, dem die Schuhe wohl mit Schnee vollgelaufen waren: fände ICH ja unangenehm (zu vermeiden !), wenn das dann taut... ;-).

Vorteil in den Lawinen-Kegeln: Der Schnee ist richtig kompakt und läßt sich super begehen.

Kurz vor der Hütte werfe ich nochmal einen Blick zurück in die schattige Benediktenwand, wo heute allerdings gar nicht das (sonst übliche, siehe Wien - Nizza, Tag 25) Steinbock-Programm gezeigt wird. Schade !

Mit den letzten frühherbstlichen Sonnenstrahlen im Kessel auf gut 1.300 Metern erreiche ich um 15:15 Uhr die Hütte, die heute (am Beginn des Wochenendes) voll belegt sein wird.

Das Hüttenteam ist allerdings super organisiert und sehr nett, so daß die Menge der Leute gar nicht so ins Gewicht fällt, insbesondere weil die Hütte auch genügend Sitzplätze verfügt - leider gar KEINE Selbstverständlichkeit auf Berghütten !

Ich bin (mit Abstand) der erste Gast in Lager 4: Ich erhalte somit die erste (ha, Informatiker ?) Abrechnungsnummer 400 (daß ich eine Null bin, wußte ich ja schon länger ;-) und habe vor allen Dingen noch die freie (Schlaf-)Platz-Wahl im Lager.

Heiße Dusche gibt es auch noch inklusive. - Was will man mehr ?

Zuletzt war ich hier im letzten Sommer auf dem Weg gen Westen (Wien - Nizza, Tag 25).

Sehr schön schließt sich heute aber ein anderer Kreis: Im Juli 2008 war die Tutzinger Hütte auf Ludwigs Traumpfad über die Alpen von München nach Venedig unsere ERSTE Hüttenübernachtung (als ich mit der damaligen Arbeitskollegin Christine meine ERSTE Weitwanderung quasi so richtig gestartet hatte). Dieses Mal ist es die LETZTE auf dem Rückweg über die Alpen von Verona nach München in Gedenken an Ludwig Graßler.


Begegnungen:

- 2 einheimische Wanderleiterinnen

- 1 Blindschleiche

- 2 junge Münchnerinnen

- jede Menge Franken aus Ansbach auf der Hütte


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