Dienstag, 10. September 2024

Tag 16: Königsetappe vorwiegend in kurz

Moos im Passeiertal - Sölden
(29,3 km - 1.710 Hm auf - 1.340 Hm ab)

Nach einem heute möglichen frühen Frühstück komme ich gut los.

Das Wetter paßt auch:

Nur die hochgerechnete Länge der heutigen Tages-Etappe schmeckt mir mit prognostizierten 10,75 Stunden nicht so ganz. - Und da sind die ganzen Verlaufer, die sich just heute ereignen werden, noch gar nicht mit einberechnet :-o

Das geht so nicht, denkt sich der faule Hund von Kai, und hat sich schon einen Plan überlegt, wie dieses Problem zu lösen sein könnte.

Aber fangen wir von vorne an:

Von Moos bis hinauf nach Rabenstein habe ich erstmal ein Déjà-vu: Hier bin ich 2014 den E5 auf dem Weg zum Lago Maggiore (Graz - Monaco, Tag 038) abwärts gegangen, da für die obere Route am Tiroler Höhenweg (Mayrhofen - Meran) nach dem Rekordwinter 2013/2014 noch viel zu viel Schnee lag und die Stettiner Hütte von Lawine weggefegt worden war.

Unterhalb des Ortes war früher der "Kummersee": Durch einen großen Bergsturz entstanden, brach er erst insgesamt sieben Mal natürlich aus und sorgte für verheerende Überschwemmungen in St. Leonard und bis hinunter nach Meran. Dann wollte man den See schrittweise Ablassen, um somit das Problem endgültig zu lösen, allerdings ging diese Aktion dermaßen schief, daß der ganze See sich schwallartig entleerte und die letzte die schlimmste aller Überflutungen nach sich zog.

Diesmal gehe ich jedenfalls weiter das Tal hinauf, bis ich an dieser Weggabelung stehe, die sich im Nachhinein als schicksalhaft erweisen sollte:

Der E5 ist klar angeschrieben, ich biege links ab und mache mir weder Gedanken, noch schaue ich auf's GPS. Ein Fehler.

So komme ich etwas später zu einer großen Herde Ziegen, als jemand von hinten ruft.

Ich kann die gute Frau am zuvor passierten Hause nur überhaupt nicht verstehen. Und das hat wohl weniger mit meinem (reduzierten) Resthörvermögen als mit der Entfernung zu tun.

Ich gehe also zurück (bergab): Ich sei an sich schon richtig, aber ich möge doch nicht die Herde aufscheuchen, sondern solle lieber querfeldein (in Falllinie) über die Wiese den Hang hochgehen.

Nun, an sich kein Problem, Deuten hätte auf die Entfernung allerdings wohl mindestens genauso funktioniert und ich hätte mir mehrfachen Weg und Zusatzhöhenmeter sparen können ;-)

Apropos Zusatz sparen: Ich bin ob der Richtung und des Aufs und insbesondere der Abs schon irgendwie überrascht, letztlich lande ich weit jenseits der Timmelsjoch-Hochalpenstraße in einem wunderbar ruhigen und einsamen Trogtal, das bergauf führt, nur um festzustlelen, daß ich hier auch direkt (vom obigen) Wegweiser - deutlich kürzer/schneller ! - hätte hinkommen können.

Argh.

Gen Süden sind beide E5-Optionen mit Zeitangaben beschrieben, bergauf war augenscheinlich nur die Variante beschildert :-(

Mir kommen jetzt nach und nach Karawanen von E5-Gruppen und Einzelgänger entgegen. Alle dick eingepackt.

Nur weil ein wenig der Wind geht ?

Also ich bin komplett kurz unterwegs und als ich mir das Buff über die Ohren gezogen habe, komme ich nach recht kurzer Zeit wieder davon ab, denn im Kessel zwischen den Ohren dampft es quasi schon.

Im oberen Bereich des Tals sehe ich dann etwas abseits des Weges eine Frau bei der Brotzeit sitzen und geselle mich zu eben jenem Zwecke gleich mit dazu: Igge kommt aus den Niederlanden und ihr Mann ist absolut nicht schwindelfrei. Da zieht sie halt alleine los.

Ihre Videos von den vorherigen Tagen sind spektakulär - Ehemann und Mutter sind zu Hause wohl vom Stuhl gefallen, aber sie lebt noch:

Auf knapp 3.000 Metern ist sie am einen Tag einen Steig durch den Schnee/Matsch balanciert und am anderen Tag war ein nicht unbedingt einfacher aussehender Weg eher ein Bachlauf. Heute will sie dann aber auch noch "Busfahren".

Sie spricht super Deutsch, aber das letzte Wort habe ich irgendwie nicht verstanden (auch auf Englisch ist es mir nicht begreiflich zu machen)...

Kurz unterhalb des Timmelsjochs kommt mir dann die letzte Gruppe mit Bergführer im Abstieg entgegen: Die sind ganz schön spät dran, dafür, daß ich ja viel mehr Aufstiegsmeter und Kilometer hatten und der Bergführer sich bestimmt nicht verläuft...

Kurz danach erreiche ich die Paßsstraße und mogle mich mal kurz zwischen einen Radler und zwei Motorradfahrer, um das obligatorische Foto zu machen:

Ein paar Meter weiter, auf österreichischer Seite dann das Mahnmal, auf welches ich im Blog-Beitrag des Vortages bereits anspielend eingegangen war:

Von Nordtirol kommt es doch recht kalt hoch, so daß ich doch mal die Hosenbeine anzippe. Ein am Übergang entgegen kommender Wanderer legt mir nahe, mir doch UNBEDINGT noch mehr anzuziehen.

Ok, ich kann noch nicht hinunter sehen, also - man nimmt Ratschläge ja dankend auf - noch Anorak, Mütze und Handschuhe an.

Nach ca. 15 Minuten im Abstieg reiße ich mir die Sachen wieder vom Leib, bevor es noch zu einer Kernschmelze kommt.

Bin ich manchmal ein Hitzkopf ?

Oder einfach ignorant ?

Merkel-Stil (Teflon) ?

Der Wanderweg läuft hier ebenfalls abseits der Straße, aber im Unterschied zur südtiroler Seite hat man hier die Straße eine ganze Weile zumindest im Blick:

Irgendwann - bei einer großen Geländestufe - verabschiedet sich der Fußweg aber wieder komplett von Straße und anderen Zivilisations-Merkmalen und verläuft traum/einsam durch die Natur.

In Zwieselstein erreiche ich das Ötztal, aber meine Planung sieht noch ein paar Kilometerchen weiter bis Sölden vor.

Als ich Sölden erreiche, komme ich mir irgendwie noch nichtmal richtig erschöpft vor: 10 Kilometer könnte ich mindestens noch locker gehen.

Vermutlich wegen meines Tricks: Nach acht Stunden Gehzeit ist man einfach nicht so fertig wie nach elf.

Ich bin halt wirklich ein fauler Hund.

Quasi der Ryoko unter den Zweibeinern (ANGEBLICH schon mal von Graz nach Monaco über die Alpen gegangen, aber eigentlich völlig unglaubwürdig).

Nachdem am Vorabend (Montag) der Pizzabäcker frei hatte und ich deshalb nochmal umbestellen mußte, hole ich heute das Pizza-Essen in Form einer sog. "Gigante" nach: Gigantisch groß war sie zwar nicht, aber vielseitig belegt und halbwegs satt war ich am Ende schon auch:

Und vor allen Dingen gab es das zweite Mal auf dieser Tour (nach dem Hotel in Jenesien) endlich mal RICHTIGE Johannisbeersaft-Schorle mit Leitungswasser !

Ich finde es nämlich schon relativ unverschämt, einem Gast für ca. 6-7 EUR pro 0,5 Liter etwas Sirup mit Leitungswasser als SAFT-Schorle anzudrehen...


Übergänge:

- Timmelsjoch (2.474m)


Begegnungen:

- 1 Murmeltier

- 10er-E5-Gruppe + 2 Bergführer

- Igge: eisenbereifte Holländerin auf dem E5

- etliche E5-Grüppchen

- 2x 10er-E5-Gruppe inkl. jeweils 1 Führer

- 1 Murmeltier

- 1 Eichelhäher


6 Kommentare:

  1. Deinen Trick muss ich auch unbedingt mal ausprobieren, fürchte nur, dazu bin ich nicht fit genug ;)

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    1. Fitness ist relativ und vor allen Dingen Kopfsache !

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  2. Da kann ich mit deinem Dickschädel auch nicht mithalten ;)

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  3. Hier werde ich dann in zwei Wochen hoffentlich deinen Weg kreuzen. Die Stettinerhütte steht auch wieder. Ist übrigens wohl keine AV-Hütte. Ü/F 50 EUR.

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    1. Hey Frank.
      Am Ende des 1. Weltkriegs gingen ja ALLE Hütten des DAV/ÖAV an den italienischen Staat.
      Mit Südtiroler Autonomie dann an das Land.
      Laut Wikipedia hier seit dem Neubau 2022 (der deswegen auch EWIG dauerte: Lawine im Frühjahr 2014 !!!): "Eine paritätische Kommission, in der neben der öffentlichen Hand auch der AVS und der CAI vertreten sind, unterstützt seither das Land Südtirol bei der Verwaltung (Vergabe an Pächter, Überwachung der Führung, Sanierungsmaßnahmen)."

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    2. ah, so ist das. Die Zwickauerhütte ist ein Landesschutzhaus, da gibt es nur Zimmer, HP 70. Wenn man bei der Stettiner noch zu Abend isst, dann ist man fast bei schweizer Preisen, da ist auf SAC Hütten in der Hauptsaison teils HP Pflicht. Abends esse ich gerne auf einer Hütte, aber Frühstück esse ich auf Hütten fast nie, da ich früh losgehe und es häufig eh nur ein mikriges Frühstück gibt. Hütten sollten meiner Meinung nach Schutz bieten und müssen nicht zwangsläufig wie ein Hotel ausgebaut sein, mit teils ähnlichen Preisen.

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