Montag, 9. September 2024

Tag 15: Auf Hofers Spuren abwärts

Hirzerhütte - Moos im Passeiertal
(24,8 km - 780 Hm auf - 1.740 Hm ab)

Ok, für alle Piefkes (und/oder Flachland-Tiroler) gleich mal vorneweg und in aller Deutlichkeit: Nein, heute geht es nicht um Aldi !

Frühstück gibt es auf der Hirzerhütte ab 07:30 Uhr - ENDLICH mal etwas früher.

Danach heißt es aber abwarten: Nicht nur in der Nacht hat es geschüttet, sondern auch aktuell gießt es in Strömen.

So gegen 09:00 Uhr werde ich langsam ein wenig unruhig.

Um 09:15 Uhr gebe ich Petrus noch eine Frist von 15 MInuten.

Um 09:30 läßt der Starkregen nach und es regnet nur noch leicht.

Da mache ich mich auf die Socken...

Ich tappe also in Regenklamotten gen Norden mit nur leichtem Höhenverlust den E5 entlang.

Ab und an kommen mir bereits E5-Wanderer (bzw. mutmaßlich Busfahrer) entgegen.

Bereits nach knapp zwei Stunden hört es komplett das Regnen auf und im Steilabstieg wird es langsam aber sicher Zeit für Anzugserleichterung.

Ah, eine Bank:

Eine gute Gelegenheit auf kurzes T-Shirt umzusteigen und den feuchten Kram wegzupacken.

So geht es doch viel leichter und angenehmer bergab !

Von bergauf gar nicht zu reden !! - Aber letzteres ist für mich heute sowieso eher die Ausnahme, aber dafür als dickes Ende vorgesehen.

Schließlich erreiche ich Mähderhütte der Pfandleralm.

Ein Gedenkstein und die Flaggen erinnern an Andreas Hofer, DEN Tiroler Nationalhelden:

Evtl. fremdeln die Tiroler zuweilen ja nicht nur mit den Vorarlbergern (andere Geschichte), sondern mit dem östlichen Österreich, weil sie auch heute noch den "Verrat" von 1809 nicht vergessen können, als Österreich einen Friedensvertrag mit Napoleon schloß und damit der Grundstein für den Tiroler Aufstand geschaffen wurde.

Nach einigen militärischen Erfolgen ging die dritte Berg-Isel-Schlacht schließlich verloren und Andreas Hofer mußte abtauchen. Er sucht Zuflucht in seiner alten Heimat bei St. Leonard im Passeiertal.

Nach einem Verrat marschierten 100 (HUNDERT) französische Soldaten (Schiß hatten sie schon) im Jänner 1810 hoch zur Hütte, um den nur von seiner Familie begleiteten gefangen zu nehmen.

Das Andreas-Hofer-Lied ist heute noch die Landeshymne Tirols. Versuche, dies ebenfalls in Südtirol zu etablieren, scheiterten allerdings. - Wobei man den Spruch auf dem Timmelsjoch (Spoiler) nicht vergessen sollte !

Bei den Tiroler Schützen ist der höchste erzielbare Rang der eines Majors.

Denn NIEMAND steht ÜBER Andreas Hofer !


Ich freue mich über das angenehme Wetter (trocken und nicht so warm) und strebe weiter dem Talgrund entgegen...

Zwischendurch ist ein Wasserfall zur Abwechslung am Weg und unterhalb befindet sich gleich eine Ableitung in einen Wal. Allerdings ist mein weiterer Weg kein Walweg, wie ich sie 2014 (Graz - Monaco, Tag 041) auf der anderen Seite der gegenüberliegenden Texelgruppe kennengelernt habet.

Letztlich komme ich in St. Leonard raus und erkenne, daß es einen besseren Weg als den zu Hause ausbaldowerten gibt: Seit weniger als zehn Jahren gibt es einen Schluchtensteig hoch nach Moos.

Klingt gut und vor allen Dingen eher nach angenehmen (maximal) 15 Grad als nach Glutofen im Hang des Südseitenaufstiegs (hatte ich ja bereits nach Bozen).

So gehe ich am Denkmal für 50 Jahre Timmelsjochstraße (Verbindung nach Nord-Tirol) vorbei und weiter in den Talgrund.

Der Weg ist herrlich, auch wenn er anfangs noch breit und recht viel von Ausflüglern begangen ist.

Nach und nach wird es einsamer und ganz besonders gefallen hat mir die Toilette, die sich hier (mitten in der Schlucht) in einem alten Kraftwerk verbirgt...

Zuweilen wurde der Weg in die Wand oberhalb des reißenden Gebirgsbachs gedübelt.

Ziemlich am Ende wurde sogar ein Hochwasser-Schwemmgut-Sammler quasi aufgestockt:

Der Tag ist dann schon recht weit fortgeschritten als ich am nördlichen Ufer die letzten Meter bis nach Moos im Passeier Tal in Angriff nehme.

Ein Blick zurück gen Schlucht und im Hintergrund die Sarntaler:

Als ich bei meiner Unterkunft mitten im Ort ankomme, staune ich nicht schlecht: Zwei Oldtimer aus Coburg.

Aha, und die Besitzer des 1.300er Käfers und des NSU Sportprinz sind scheinbar auch noch beim örtlichen Motorsportclub.

Na, da schau an...

Zufällig speisen die beiden jungen Herren auch noch im selben Lokal und ich kann sie identifizieren, woraus dann ein nettes längeres Gespräch wird.

So klein ist die Welt :-)


Begegnungen:

- 1 Gams

- 1 Libelle

- 1 kleiner Frosch


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